Gedanken: Warum Todesstrafe?

Veröffentlicht: 10. Juli 2011 von Team Kunterbunt in 3.4. Präventionsarbeit
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Vermehrt ist wieder auf den verschiedensten sozialen Netzwerken die Forderung zu vernehmen, die Todesstrafe für gewisse Straftäterwieder in die deutsche Rechtssprechung einzugliedern. Diese Tatsache ist sehr erschreckend und zeugt meiner Meinung nach mehr von Wut und Hass, denn von durchdachter Gedanken. Viele scheinen sich dieser Polemik hinzugeben unerahnen wohl nicht welche Konsequenzen und welche Einschnitte dies für unsere Gesellschaft darstellen würde.

Ich möchte nun einen viel zitierten Ausspruch der anscheinenden Befürworter nutzen um meine Gedanken hieran entlang zu hangeln:

Als perverses Schwein bist du geboren, in diesem Leben hast du nichts verloren.
Darum fordern wir für alle Länder Todesstrafe für Kinderschänder.
Für eure Taten sollt ihr büßen!
Ihr sollt euer Leben nie wieder genießen, die Erfahrungen zeigen das Therapien nichts nützen.
Nur euer Tot kann Kinder schützen!!!
Wenn auch du gegen Kindesmissbrauch bist, kopiere diesen Text auf deine Pinnwand….sei Mutig!

Bereits an der ersten Zeile kann ich nicht im Ansatz etwas Gutes finden. Hier wird vorausgesetzt, dass es Menschen gibt, die aufgrund ihrer Erbanlagen und nur aufgrund dieser zu „bösen Taten“ gezwungen werden. Das Wort gezwungen habe ich hier bewußt gewählt, denn an seinen Genen und an deren „Spielereien“ kann man nun wirklich nichts ändern. Hier lässt sich eine ganz klare Menschenverachtung heraus ableiten, wie wir sie in Deutschland längst überwunden haben sollten. Welches Resultat wir erhalten, wenn wir eine Gruppe von Menschen auf ihr Blut oder eben hier auf ihre Gene reduzieren, haben wir durch den Holocaust zugenüge erfahren müssen. Die Jagd auf Menschen wäre damit eröffnet und niemand könnte sich noch sicher sein ob er nicht rein zufällig aufgrund eines erhöhten Hormonwertes in das Schema der Wilderer passt und damit automatisch sein Leben verwirkt hätte.  Auch der zweite Teil des ersten Satzes hinterlässt nur negatives, wenn man sich die Mühe macht etwas genauer zwischen den Zeilen zu lesen. Hier wird von einem kleinen Teil der Bevölkerung über eine andere Minderheit geurteilt und das ohne einen Anhaltspunkt auf die Wahrheit dieser Aussage zu geben. Dies würde zu einer reinenSelbstjustiz führen, in der jeder seinem Nachbarn den Kopf abschlagen dürfte nur weil er den Hauch eines Verdachtes hat. Der zweite Satz weist nicht nur einen sehr schlecht gewählten und noch schlechter platzierten Reim auf, sondern er gibt dem Befürworter auch noch zu verstehen, dass momentan nur durch ihn eine Änderung ermöglicht werden könnte. Nun interessieren mich die Gesetze in anderen ländern recht wenig, aber zumindest sollte selbst den Befürwortern eines klar gemacht werden, es wird auf deutschem Boden niemals die Todesstrafe eingeführt werden, da dies durch das Grundgesetz schier unmöglich ist. Hier fehlt es wohl an Aufklärungsbedarf, den vor allem Rechtspopulisten nutzen um auf Wälerfang zu gehen. Doch egal wie sich die Rechte Partei auch schimpft und gleich welche Prozente sie bei Wahlen erhalten würde, die Todesstrafe könnte sie nicht einführen. Der dritte Satz (für eure Taten sollte ihr büßen) zeigt uns dann auch schon recht schnell den Fehler im Detail. Sicherlich in einer Gesellschaft wie der unseren wird man für seine Taten, wenn sie den juristisch von Belang sind zur Rechenschaft gezogen und oft auch mit Freiheitsentzug bestraft. Fakt ist aber, dazu muss es erst zu einer Tat kommen. Heißt im Klartext, erst wenn ein Kind vergewaltigt oder ermordet wurden ist würde die Tat bestraft werden können. Nun kann es selbst dem Rachsüchtigsten unter den Befürwortern nicht ganz Gleich sein, wenn erst so etwas schreckliches passieren muss. Wenn man nun auch noch der selben Polemik verfallen möchte, wie wahrscheinlich die Urheber des oeben gemachten Ausspruches, dann könnte man sogar eine Teilhabe und damit eine Mitschuld allen denjenigen unterstellen, die die Todestrafe unter diesen Umständen verlangen. Denn immerhin fordern sie die Tätergeradezu heraus und verlangen, dass die von ihnen als genetisch defekten Menschen straffällig werden, damit sie ihrer „Justiz“ fröhnen können. Auch der nächste satz zeigt, wie undurchdacht der gesamte Text sich darstellt, nicht gerade eine Vorzeigearbeit also. Wenn man sich schon auf Therapien berufen möchte, dann sollte man berücksichtigen, dass es in sehr wenig Fällen passiert, dass der täter überhaupt wieder auf freien Fuß kommt (wenn nicht gerade der Europäische Gerichtshof dazwischenfunkt). Ebenfalls ist eine Pauschalisierung zu erkennen, wenn die Autoren vom Genuß des Lebens der Täter sprechen. Dies zeigt zum einen, dass sie keinen Einblick in die Therapien oder den Gefängnisaufenthalt von Sexualstraftätern haben und zum anderen, dass ihnen nicht bewußt ist, dass die meisten Täter bereits vor ihrer Tat keinen Genuß an ihrem Leben hatten (was nur dank therapie herausgefunden werden konnte und nicht dank Todesstrafe). Der  vorletzte Satz ist eigentlich ein Faustschlag ins gesicht aller bereits Misshandelten. Immerhin hat der angestrebte Tod sie nicht geschützt. Hier wird einem dann ganz schnell der egoismus der Befürworter klar. Ihnen geht es weniger um die Opfer sondern vielmehr darum ihre Kinder zu schützen. Die Opfer bleiben in dieser Aussage vollkommen auf der Strecke, nein es wird ihnen sogar noch gesagt, dass sie eben Pech gehabt hätten, aber man nun den täter wenigstens töte damit den eigenen Kindern nichts passiere. Nun der letzte Satz ist dann noch typisches Maniergehabe. Man versucht an die Ehre und den Mut zu appelieren. Doch wirklich mutig ist es Nein zu sagen und stattdessen intensivere Prävention zu fordern. Nicht die Täter müssen getötet werden, sondern die potentiellen Opfer müssen mehr geschützt werden. Dies alles erreichen wir nicht durch Hinrichtungen, sondern nur indem wir die Täter studieren und verstehen lernen, warum sie so ein abscheuliches Verhalten an den Tag legen. Ihr Tot hingegen sorgt nur für eines und zwar den Verfall unserer Freiheit, denn wir alle, Männer und Frauen könnten durch solche eine Änderung des Gesetzes sehr schnell zur Zielscheibe für rechtsgerichtete Populisten werden, die nicht das gesellschaftliche Wohl vor Augen haben, sondern nur die Kontrolle aller anders Denkender und damit das Aussetzung jeglicher Demokratie und jeglicher Freiheit in unserem Land. Von daher ist es richtig zu fordern, dass diese Menschen nicht mehr in die Gesellschaft rehabilitiert werden sollten, aber ihr Tot per Gesetz wäre der Untergang unserer Rechtsstaatlichkeit.

Es ist also abzusehen, dass man kein Freund von Kinderschändern, dem Missbrauch an Kinder (oder anderen Menschen) sein muss um sich eindeutig gegen so etwas Menschenverachtendes auszusprechen wie die Todesstrafe.

Worte sind der erste Weg, den wir hier in die falsche Richtung einschlagen können!

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